Mittwoch, 8. Dezember 2021

Erfolgreicher Start von IKARUS LTS-02 - Landung (Wasserung) im Tagebau

 Am Samstag, den 4. Dezember 2021 um 10 Uhr, gelang nach fast zwei Jahren "Ballonabstinenz" der erfolgreiche Start unserer Folgenutzlast IKARUS vom Schulhof unserer Schule.

Keiner unserer bisherigen Ballonstarts war so ungewiss wie IKARUS. Die pandemische Lage in Dessau verschärft sich immer mehr, strenge Auflagen wie tägliche Test- und Maskenpflicht erschweren zunehmend die Durchführung außerunterrichtlicher Ereignisse. Trotz dieser Hürden trafen sich am Samstag die Mitglieder der Schulstation DK0LG zum lange vorbereiteten Start der Ballonnutzlast LTS-02.

DO9JJ - Mission Control
Um 9 Uhr wurde die Empfangsstation DK0LG an die Satellitenantennenanlage angeschlossen und die
Bewegung der Antennen getestet. Jannis  (DO9JJ) übernahm für den Start die wichtige Rolle der Flugleitung und "Mission control". Mit den neuen Mitgliedern der AG ging es dann zunächst in vertiefte Gespräche zum Ablauf des Starts. Wichtige Erfahrungen, wie die sichere Befüllung des Ballons, das Befestigen und Verpacken der Nutzlast und die rechtzeitige Inbetriebnahme vor dem Start wurden von den ballonerfahrenen "alten Hasen" an die "Neulinge" weitergegeben.   

Hans (DG1HVL) sagte uns seine Unterstützung bei der Ballonverfolgung und Bergung zu und erschien mit Verfolgerfahrzeug und umfangreicher Technikausrüstung pünktlich vor dem Start. Als Highlight stellte er uns einen seiner winzigen Fledermauspeilsender zur Verfügung, der eine Bergung auch bei Ausfall der GPS-Verbindung am Landeort ermöglichen soll. Die Vorhersage der Flugbahn kündigte einen langen Flug bis hinter die polnische Grenze an. Alle Anwesenden stellten sich nur eine Frage: "Ist eine Verfolgung und Bergung unter diesen widrigen Wetterbedingungen überhaupt möglich? 

Überraschung von DO1MKH
Auf dem Weg zum Startplatz überraschte uns Michael (DO1MKH) aus Dessau. Er überreichte der
Schulstation DK0LG ein Handfunkgerät mit Zubehör und wünschte uns viel Erfolg beim bevorstehenden Start.

20 Minuten vor dem Start wurde IKARUS eingeschaltet und sorgfältig in sein Styroporgehäuse verpackt, wenige Sekunden später decodierte die Empfangsstation erfolgreich die ersten Datenpakete. Unterdessen befüllten die AG-Mitglieder den roten 100g - Ballon und bereiteten das Nutzlastgespann aus Fallschirm und Gehäuse fachgerecht für die Integration vor. Die Flugprognosen verdüsterten sich immer mehr. Mittlerweile rückte der erwartete Landeort tiefer auf polnisches Territorium in die Nähe der Stadt Wroclaw vor. Um ein Überflug von Ländergrenzen zu vermeiden, musste der Ballon also mehr gefüllt werden. Etwa 0,43 m³ Helium versprachen einen zügigeren Aufstieg der 85g Nutzlast, begrenzten jedoch die Burst - Höhe auf unter 20 Kilometer.

Start der Ballonfüllung
IKARUS LTS-02


 


 

 

 

 

Ballon verschnüren
Anbringen des Peilsenders

 

Zum Startzeitpunkt (etwa 2 Minuten vor 10 Uhr) herrschte auf dem Sportfeld absolute Windstille. Es war kaum zu glauben, dass IKARUS eine so weite Strecke bis zur Landung zurücklegen sollte. Mit einem klassischen Countdown zählten alle Anwesenden die letzten Sekunden bis zur Freigabe des Ballons und umjubelten den erfolgreichen Start. Majestätisch erhob sich IKARUS LTS-02 in den bewölkten Dessauer Himmel. 

Vorbereitung zum Start

 

 

 

Start um 10.00 Uhr

 Die ersten zwei Höhenkilometer legte der Ballon kaum Strecke zurück, nördlich von Dessau machte unsere Nutzlast eine elegante Schleife und bewegte sich von da ab schnurgerade in östliche Richtung. Die Landeprognose lag weiterhin außerhalb von Deutschland, IKARUS zeigte leider auch nur eine konstante Steigrate von 3,5 bis 4 Meter pro Sekunde. Als Ursache wurde schnell das kostengünstige Ballongas (0,43 m³ mit 96% Heliumanteil) ausgemacht. Schweren Herzens entschieden wir uns gegen eine Verfolgung des Fluges. Wie sich später herausstellen sollte, war das die richtige Entscheidung.

Im warmen Stationsraum konnten dann alle AG-Mitglieder und Gäste den spannenden Verlauf des Fluges verfolgen. Genau um 11:32:10, also zirka 90 Minuten nach dem Start, platzte über Lichterfeld - Schacksdorf erwartungsgemäß bei 18885 Meter Gipfelhöhe die Hülle unseres Pilotballons. Damit stieg die Nutzlast immerhin 2 Kilometer höher als die berechnete Bursthöhe.

Die Isolierung unserer Box schien jedoch erhebliche Mängel aufzuweisen. Die Innentemperatur bis zum Zeitpunkt des Platzens betrug immerhin -21 °C. Erfreulicherweise korrigierte sich beim jetzt erfolgten nahezu Freiem Fall die Landeposition der Prediction wieder auf bundesdeutsches Territorium. Der Fallschirm setzte mit seiner Wirkung bei etwa 11 Kilometer Höhe ein und stellte die Sinkrate auf exakt 5 Meter pro Sekunde ein.

Flugbahn von Ikarus LTS-02

Je näher der Zeitpunkt der Landung kam, umso deutlicher zeichnete sich das Zielgebiet ab. IKARUS steuerte unaufhaltsam auf ein riesiges Militärgelände zu, dass auf der Karte als "Truppenübungsplatz Oberlausitz" gekennzeichnet war. Letzte Hoffnungen einer eventuellen Bergung verflogen in Windeseile. Etwa 3 Kilometer vor dem Touch down änderte LTS-02 seinen Kurs jedoch noch einmal deutlich in nördliche Richtung. Mit einem kurzen Überflug über das Restloch des Tagebaus Nochten landete IKARUS weich in den Wellen des seit 2019 gefluteten Gebietes des Hermannsdorfer Sees.

Die letzten Minuten von IKARUS
 

In der griechischen Mythologie hat der Sohn Ikarus aus Übermut seine Flügel in Sonnennähe geschmolzen und stürzte ins Meer. Sollte der Name uns die Wasserlandung im See eingebracht haben? Nun, die Sonne haben wir an diesem Tag leider nicht gesehen, fest steht jedoch, dass LTS-02 mit fast 19 Kilometer Gipfelhöhe der Sonne doch recht Nahe gekommen sein muss.

Die Schulstation möchte sich noch einmal für alle eingegangenen Empfangsberichte bedanken. Insbesondere geht ein großer Dank an Henryk (SP3MCY), der in der Nähe von Katowice Ikarus bis auf die letzten Meter vor dem Aufschlag verfolgen und mitschreiben konnte. So wissen wir heute die exakten Koordinaten der letzten Ruhestätte unseres Dessauer Ikarus.


Jens Home DK0LG/DM4JH

Statistik der Hörerberichte



Mittwoch, 10. November 2021

Ikarus LTS-02: Test der Nutzlast erfolgreich - Start am 4. Dezember

 

Beide Nutzlasten im Test - kein GPS-Fix

Die beiden Nutzlast-Teams konnten die letzten Komponenten erfolgreich aufbauen und Ikarus LTS-02 in der heutigen AG-Stunde in Betrieb nehmen. Alle Betriebsparameter der Energieversorgung zeigten ein normales Startverhalten. Leider konnte jedoch keine der Nutzlasten einen erfolgreichen GPS-Fix empfangen.

Was ist da los? Haben die amerikanischen Behörden den zivilen Empfang der GPS-Signale deaktiviert? Machte uns das trübe, regnerische Wetter einen Strich durch die Rechnung? Die Mühe, ein gültiges GPS-Signal zu empfangen, war vergebens. Die einzige Möglichkeit der Fehlersuche war ein Ausbau (Auslöten) der UBLOX Neo 6 Module und ein Test mit einem FTDI-Adapter an einer speziellen Software, dem UBLOX-Studio.


 

Dieser Test deckte dann auch schonungslos den Fehler auf. Trotz einer zum Himmel gerichteten Keramik-Patch-Antenne zeigte keines der Module ein gültiges Satellitensignal. Der Empfang war gleich Null! Ein kurzes Berühren der Antennenbuchse führte dann plötzlich zum Auftauchen einiger Empfangsbalken. Diagnose: lockere (defekte) Antennenbuchse/Patchantenne.

Modul mit Dipol am UBLOX-Studio

Da die Buchse und das Kabel der Antennen extrem empfindlich war, wurde die Antenne mit Buchse ausgelötet und durch einen klassischen Dipol ersetzt. Für den Empfang des L1 -Bandes im GPS-Bereich ergibt sich bei einer Frequenz von 1575.42 MHz nach Rechnung eine Antenne (Lambda/2) von 9,52 Zentimetern, also für jede Dipolhälfte eine Länge von etwa 48 Millimetern. Beide Dipolhälften wurden an Masse bzw. Antenneneingang des UBLOX Moduls direkt angelötet und mit Heißkleber etwas stabilisiert.

Das Ergebnis nach der "Schönheitsreparatur" war überzeugend. Im Zimmer gab es nach 30 Sekunden ein GPS-Fix mit 6 Satelliten, im Freien dauerte die Warmstartzeit unter 5 Sekunden! Die recht günstigen GPS-Module aus chinesischer Produktion (Aufdruck Neo 6) entpuppten sich im UBLOX-Studio als Neo 7 Module. Beide sind "out of the box" nicht einsetzbar, können aber nach erfolgreicher Modifikation doch fliegen. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass die Dipole doch leichter als die Keramik-Antennen sind.

Guter Empfang mit Dipolmodifikation

Nach dem Einlöten der Module lieferten beide Nutzlasten nach 15 Sekunden ein gültiges Telemetriesignal. Beide Payload-Teams haben also gute Arbeit geleistet.

Welche Nutzlast fliegen wird, entscheidet die Gruppe rechtzeitig vor dem jetzt fest geplanten Starttermin.

Erfolgreiche Telemetrie

Ikarus LTS-02 wir nach erfolgreicher Genehmigung durch das Luftverkehrsamt in Halle am Samstag, den 4.12.2021, vom Schulhof unserer Schule um 10 Uhr MEZ in den Dessauer Himmel starten. Das Rufzeichen wird DK0LG sein, die Sendefrequenz 434,200 MHz USB. Die AG würde sich über Empfangsrapporte freuen. Für die Einstellung der Telemetrie-Decodierung in der Software DL-FLDIGI gilt:

RTTY

Shift: 428 Hz

Code: ASCII 7 Bit

Baudrate: 50 Bd/s

Stop-Bits: 2

In den nächsten Wochen muss nun die Software für den Flug angepasst werden. Genaueres ist wieder hier im Blog zu lesen.

 


Jens Home /Schulstation DK0LG

Sonntag, 19. September 2021

Offizieller Start der Vorbereitungen der Mission IKARUS LTS-02

AS832 Bausatz IKARUS LTS-02
 Das neue Schuljahr hat begonnen und damit auch der Start in das neue AG - Jahr der Arbeitsgemeinschaft "Amateurfunk und Elektronik" an unserer Schulstation DK0LG. Nachdem uns das letzte Schuljahr durch die pandemische Lage ein Treffen bis zu den Sommerferien unmöglich gemacht hat, hoffen wir auf eine bessere Zeit. Erfreulicherweise meldeten sich drei neue Mitglieder für eine Teilnahme an, so dass wir mit 12 Schülerinnen und Schülern ins neue Schuljahr starten können.

Nach einem kurzen einführenden Lötworkshop  am 3.09.2021, in dem wir am Bausatz "Der ewige Blinker - AS166" des AATiS wichtige Fertigkeiten des Lötens wiederholt haben, begann am vergangenen Freitag der Start zum Aufbau der neuen Ballonnutzlast IKARUS - LTS-02, die im März 2022 als Bausatz AS832 über den AATiS vertrieben werden soll.

Teambesprechung der Schaltung
SMD-Bauteile erfordern viel Löterfahrung
 

Lötübungen mit Kathrin DO8ECC
Mit mehreren SMD - Bauteilen, deren Abmessungen kaum mehr als ein Millimeter betragen, ist der Aufbau eine Herausforderung. Bevor ich etwas über den Start unseres Projektes berichte, erst einmal ein paar Gedanken zu IKARUS LTS-02.

IKARUS ist eine neue experimentelle und erweiterbare Nutzlast, die leichte und kostengünstige Ballonmissionen auch mit kleinen Ballons (Pilotballon, 100g) in grosse Höhen ermöglichen soll. Im Gegensatz zu DAEDALUS LTS-01 setzt diese Nutzlast auf digitale Datenübertragung (RTTY, 50/300 Baud) vom Ballon zur Bodenstation. Mehrere Sensoren, wie zum Beispiel GPS, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Temperatur, sind bereits fest integriert. Über sogenannte universelle Schnittstellen können weitere Sensoren und Experimente beliebig ergänzt werden. Bei einer Masse von etwa 68 Gramm kann mit wenig Aufwand eine Mission in die Stratosphäre realisiert werden. Durch die ständige Übertragung der Ballonkoordinaten ist auch eine Verfolgung des Ballonfluges und eine Bergung möglich.

Während unsere neuen Mitglieder mit Kathrin (DO8ECC) ihre Lötfertigkeiten am Beispiel einer
Reißzweckenschaltung übten, übernahmen zwei Teams (je drei Schülerinnen  und Schüler) die Verantwortung zum Aufbau einer IKARUS-Nutzlast. Die recht umfangreiche Schaltung wurde besprochen, wichtige Testphasen abgegrenzt und das sogenannte "6-Augen-Prinzip" erörtert. Jeder Arbeitsschritt beim Aufbau der Nutzlast wird durch drei Personen kontrolliert und abgezeichnet. Damit sollen die bei der NASA gemachten Erfahrungen im Konstruktions-/Bau- und Projektmanagement von Raumfahrtmissionen einfliessen. 

Aufbau einer Reißzweckenschaltung "Ewiger Blinker"
Der genaue Starttermin und die Zwischenetappen werden hier im Blog bekanntgegeben. Ein Startfenster noch in diesem Kalenderjahr ist wahrscheinlich

Manchmal hilft nur die Lupe
Konzentriertes SMD-Löten


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jens Home DM4JH/DK0LG


Samstag, 4. September 2021

Antarktiskontakt mit der Neumayer III abgesagt - Sturm zerstört QO100 Antenne


 In der Nacht vom 13. zum 14. August hat ein schwerer Sturm die QO100 Antenne der Antarktisstation Neumayer III des Alfred - Wegener - Institutes komplett zerstört. Die Forscherinnen und Forscher haben Windgeschwindigkeiten von bis zu 112 Knoten (207 km/h) gemessen. (Quelle: AMSAT DL und AWI Bremerhaven)

Weitere größere Schäden traten glücklicherweise nicht auf. Da eine Ersatzantenne jedoch erst Anfang des Jahres 2022 mit der Polarstern geliefert werden kann, ist bis auf weiteres leider kein Schulkontakt über den Amateurfunksatelliten QO 100 möglich.

Die Schülerinnen und Schüler des Grundkurses Physik 12 (Frau Home) und die AG Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Amateurfunk und Elektronik (Frau Home DO8ECC und Herr Home DM4JH) nahmen diese Meldung sehr traurig auf. Der geplante Funkkontakt am 6.102021 um 11 Uhr muss leider entfallen.

Wir hoffen auf einen neuen Termin im Januar/Februar 2022, wenn die Ersatzantenne installiert wird.

Jens Home, DM4JH

QO100 Satellitenanlage der Neumayer IIIQuelle: AMSAT DL

Sonntag, 28. Februar 2021

„DK0LG packt aus“ – AMSAT QO-100 Station eingetroffen

 Nun sind es schon vier Monate, in denen unsere Schulstation aufgrund der Coronalage im Land geschlossen ist. Vier Monate, in denen wir keine interessanten Elektronikprojekte verfolgen konnten, kein Amateurfunk mit außergewöhnlichen Stationen weltweit und auch keine Ballonmissionen.

Das ersehnte Paket der AMSAT


Insofern ist die gestrige Ankunft des AMSAT-Päckchens eine willkommene Abwechslung. Unsere Schulstation (DK0LG) zählt zu den Einrichtungen, die die AMSAT Deutschland ( Radio Amateur Satellite Corporation) aktiv unterstützen und fördern möchte. Für einen Betrieb über den neuen geostationären Satelliten QO-100 stellt man uns ein Set aus Komponenten zur Verfügung, das unsere AG-Mitglieder*innen in nächster Zeit zu einer funktionsfähigen portablen Satellitensende- und Empfangsstation ausbauen sollen.

Die Motivation für das Projekt bei DK0LG ist sehr hoch, steht uns doch bei Erfolg ein Funkkontakt zu den Wissenschaftlern auf der Neumayer III in der Antarktis in Aussicht. Um die Wartezeit bis zum Start dieses neuen Projektes zu verkürzen, packe ich heute das kleine Paket mal aus und liefere dabei ein paar Hintergrund-informationen.

Alles gut und sicher verpackt

Da liegt es vor mir, das 30x20x13 Zentimeter große Päckchen von Charly (DK3ZL), der die Betreuung und Koordination der Schulstationen bei der AMSAT-DL übernommen hat. Irgendwie habe ich mir alles etwas größer vorgestellt, aber schon der erste Blick nach dem Aufklappen des Deckels offenbart den gut verstauten wertvollen Inhalt.

Kabel und Einspeiseweiche

Zunächst sieht man ein paar Kabel, die für die Verbindungen der übrigen Komponenten notwendig sind. Alte Bekannte, wie die F-Stecker der gewöhnlichen Sat-Antennenanlagen oder Sat-Antennenkabel zum Anschluss eines LNB, aber auch Ungewohntes, wie die Spannungseinspeiseweiche.

Da wir den Empfangsteil später ohne die von einem gewöhnlichen SAT-Receiver gelieferte LNB-Speisespannung betreiben, verwundert es kaum, dass als Nächstes ein 12V Netzteil zum Vorschein kommt. Mit dem dazugehörigen F-Cinch-Adapter liefert es die nötige Betriebsspannung für ein speziell umgebautes LNB (Low Noise Block).

Die kleinen Stabantennen eignen sich natürlich nicht für den Empfang der Satellitensignale im

Antennen für interessante SDR Versuche

Gigahertz-Bereich und sind wahrscheinlich nur eine kleine Zugabe für weitere Experimente mit dem beigelegten SDR (Software Defined Radio) von Nooelec. Dieser kleine unscheinbare SDR-Stick mit dem klingenden Namen „NESDR SMART“ bringt einige erstaunliche Qualitäten mit. So hat er intern einen ultra-rauscharmen TCXO (thermisch kompensierten Quartzoszillator) verbaut, der eine Stabilität von 0,5 ppm über den gesamten Arbeitsbereich bietet. Was bedeutet das konkret? Wir werden die Empfangssignale des Satelliten (etwa 10,5 GHz) hinter dem LNB mit diesem Stick bei etwa 750 MHz aufnehmen. Ein TCXO mit 0,5 ppm sorgt nun dafür, dass die Frequenz des Empfängers trotz veränderter Temperaturbedingungen nicht über einen Bereich von 1,5kHz schwankt. Auch für unsere Ballonexperimente dürfte der Stick interessant sein, können wir doch Signale im Bereich von 25 MHz bis 1,7 GHz damit empfangen.
Der Nooelec-SDR-Stick

Endlich kommt der Sende- (up) converter zum Vorschein. In einem schicken Gehäuse sind eigentlich zwei wichtige Teile bereits mechanisch stabil vereint, der berühmte AMSAT S-Band Converter (430MHz auf 2,4 GHz) und die 6 Watt AMSAT PA für 2,4 GHz. Damit können wir sendeseitig unseren schon beim ARISS-Kontakt bewährten TS2000 Schulstationstransceiver verwenden. Natürlich müssen wir durch geeignete Dämpfungsmaßnahmen die zulässige Eingangsleistung in den Converter auf maximal 500mW begrenzen.

Kombination AMSAT-Converter + PA

Zum Schluss erscheint noch das gut verpackte umgebaute LNB mit der bewährten Duoband-POTY- Antennenanordnung. Dank der genialen Erfindung von Mike Willis (G0MJW) können wir einen Satellitenspiegel für Sende- und Empfangssignale zu QO-100 nutzen. Der Empfang wird durch die (zusätzlich mit einem TCXO) stabilisierte LNB-Elektronik realisiert. Die Sendesignale werden über die mit Kupferscheiben entwickelte POTY-Planarantenne abgestrahlt. Eine Kunststofflinse sorgt für eine bessere Ausleuchtung der kleinen Stabantenne im Inneren des LNB.

Sende-/Empfangsantenne, LNB mit POTY

Was bleibt jetzt für die Zukunft? Zunächst hoffen wir, dass wir uns bald wieder an der Schulstation treffen dürfen. Es werden zwei Teams gegründet, eine Gruppe wird sich mit dem Aufbau und Test der Empfangsseite (SDR-Stick, Software SDR-Console, Laptop) beschäftigen, die andere Gruppe mit der Sendeseite (Converter, PA, TS2000). Beide Gruppen müssen natürlich eng zusammenarbeiten, die Sendesignale müssen sorgfältig simultan durch den Empfang auf die zulässigen Betriebsbedingungen des Satelliten QO-100 abgestimmt werden. Unsere Signale, die immerhin die halbe Erde aufnehmen wird, sollen sauber und über jeden Zweifel erhaben sein.

Dann werden erste Kontaktversuche von unserer Schule aus über den Satelliten erfolgen. Charly (DK3ZL), unser Betreuer bei der AMSAT, hat uns schon seine Unterstützung zugesichert. Erst wenn alles problemlos funktioniert, werden wir das Kontakt-Event in die Antarktis vorbereiten. Schließlich haben wir dann mehr als zehn Minuten Zeit für interessante Fragen und Gespräche mit den Wissenschaftler*innen auf der Neumayer III-Station.

Eines steht aber jetzt schon fest. Es werden wieder viele spannende Projekte nach dem Lockdown auf uns warten. Großen Dank noch einmal an die AMSAT-DL, an Charly (DK3ZL) und Andreas (DL5CN) für die hervorragend zusammengestellten Sachen und die Hilfe mit Rat und Tat. Das ist wirklicher Hamspirit.

TNX es 73

Unsere zukünftige QO-100 Station

 

Kathrin DO8ECC

Jens DM4JH /DK0LG

Sonntag, 6. September 2020

Neue Rufzeichen an der Schulstation

 Bereits seit längerer Zeit bereiteten sich einige Schülerinnen und Schüler unserer AG auf eine Lizenzprüfung zur Klasse E für Funkamateure vor. Am Samstag, dem 5.9.2020 war es endlich soweit. Fiona und Jannis fuhren mit mir gut vorbereitet zur Prüfung der Bundesnetzagentur nach Erfurt. Aufgrund des frühen Prüfungsbeginns, mussten wir 6 Uhr morgens ab Dessau starten. Ohne grössere Staus erreichten wir gegen 8.15 Uhr die Bundesnetzagentur in der Thüringer Landeshauptstadt. 

Neben den beiden AG-Teilnehmern waren noch vier weitere Prüfungskandidaten aus Thüringen und Sachsen angemeldet, ein Kandidat trat nicht zur Prüfung an.. Durch die Corona-Lage im Land wurde die Teilnehmerzahl auf nur 7 Personen begrenzt, so dass leider zwei weitere Schüler unserer AG nicht zum Termin teilnehmen durften.

Um 8.45 Uhr öffnete ein netter älterer Herr die Tür und belehrte alle Teilnehmer hinsichtlich der Hygienevorschriften im Gebäude. Leider durfte ich als Betreuer nicht mit in das Gebäude. Pünktlich 8 Uhr begann die Prüfung für alle mit dem Themenkomplex Technik. Es folgten die Komplexe Betriebstechnik und Gesetze und Vorschriften. Für jedes Thema stand den Prüfungsteilnehmern eine Stunde Zeit zur Verfügung.

90 Minuten später standen alle mit strahlendem Gesicht wieder vor der Tür. Natürlich haben alle Teilnehmer die drei Prüfungsthemen bestanden und gleich die Rufzeichen und Zulassung zur Teilnahme am Amateurfunkdienst beantragt. Die Urkunden wurden leider aufgrund der Coronasituation nicht ausgegeben und werden per Post verschickt.

Herzlichen Glückwunsch Jannis (DO9JJ) und Fiona (DO6FJ), ich wünsche euch viel Freude bei unserem gemeinsamen Hobby.

Fiona DO6FJ, Jannis DO9JJ und Jens DM4JH nach erfolgreicher Prüfung in Erfurt

Jens (DM4JH)

Montag, 9. März 2020

Daedalus LTS-01, Auswertung einer Reise

Nachdem alle Audiodateien analysiert und die ermittelten Perioden der Signale in ein Temperatur – Zeit Diagramm eingetragen wurden (nochmals großen Dank an Lucius!), ging es zu Hause an die Auswertung der Daten. Was konnten die Daedalus-Teammitglieder den nach und nach schwächer werdenden Signalen entlocken?

Betrachten wir zunächst das Diagramm des Fluges mit einigen eingezeichneten Markern:
Temperatur-Zeit-Diagramm der Daedalus LTS-01 Mission
Nach dem pünktlichen Start um 15:00 MEZ stieg die Nutzlast wie erwartet mit einer konstanten Steigrate durch die Troposphäre. Nur unmittelbar nach dem Start gibt es einen kleinen Sprung in der Kurve, dessen Ursache noch nicht ganz geklärt ist. Setzen wir für diesen Tag (leichte Bewölkung, Außentemperatur 11°C) einen ungefähren Temperaturgradienten von 0,75K/100m an, so ergibt sich in etwa eine Steigrate von 3,1 m/s. Nach 55 bis 60 Minuten endete diese Phase. Mit der Steigrate ergibt sich eine Höhe von 10100 Metern. Dieser Wert stimmt sehr gut mit dem mittleren Wert der 
Troposphärendicke im Winter in unseren Breiten überein.
 

Daedalus - Nutzlast kurz nach dem Start
Im Anschluss ist der nur geringe Anstieg der Temperatur ein guter Indikator für den Flug durch die Tropopause. Bis zum Zeitpunkt t = 115 Minuten und mit weiterhin konstanter Steigrate erreichte Daedalus LTS-01 seinen Gipfelpunkt bei immerhin 21300 Metern.

Der anschließende Freie Fall der Sonde zeigt nicht den erwarteten Temperaturverlauf, hier ist es wohl zu einer Vereisung des Außensensors gekommen.
Zuverlässige Werte für das Sinken am Fallschirm gibt es erst wieder ab t = 155 Minuten. Die Werte belegen, dass der Fallschirm korrekt berechnet und seine Funktion erfolgreich war. Die Sinkgeschwindigkeit von 5,3 m/s entspricht den Anforderungen der Behörden.
Nach zirka 180 Minuten (immerhin 3 Stunden Missionsdauer) landete Daedalus weich in der Nähe von Falkensee/Berlin.

Bis heute gab es kein Kontakt zu einem Finder der von uns nicht geborgenen Nutzlast. Mit über 20000 Meter Höhe, blicken wir auf eine erfolgreiche Mission zurück. Die gesamte Technik hat hervorragend funktioniert und alle AG-Mitglieder können stolz auf die Ergebnisse dieser Low-Cost-Mission sein. Daedalus LTS-01 geht nun in die Geschichte der Ballonmissionen von DK0LG ein. Die Fortsetzung weiterer interessanter Experimente ist schon geplant.