Mittwoch, 8. Juni 2022

AG erhält Zuschlag zur Förderung durch die VDI-Joachim-Herz-Technikfonds

nCUBE-2 Quelle: Bjørn Pedersen, NTNU by cc
 Am Ende des ereignisreichen AG-Jahres erhält unsere Schulstation noch eine sehr erfreuliche Botschaft. Der Fördermittelantrag an die Joachim-Herz-Stiftung des VDI (Verein Deutscher Ingenieure e.V.) zur Unterstützung eines neuen Projektes wurde positiv beschieden.

So wird unsere Arbeitsgemeinschaft im nächsten Schuljahr beginnen, ein 1U Cubesat-Modell zu entwickeln. Die 10 mal 10 mal 10 Zentimeter großen Kleinstsatelliten fliegen schon einige Zeit als Sekundärnutzlast bei größeren Raumfahrtmissionen  mit. Unser Modell soll im Maßstab 1:1 alle wesentlichen Einzelteile (On-Board-Computer, Energieversorgung durch Solarzellen, Sensorplatine) enthalten und einen Testflug in die Stratosphäre bestehen.

Die AG-Mitglieder bekommen so einen tieferen Einblick in die Arbeit eines Raumfahrtingenieurs. Das Fördergeld wird für die Anschaffung eines Bausatzes einer CNC-Portalfräse mit Zubehör eingesetzt. Diese Fräse muss also zunächst aufgebaut und eingerichtet werden, fordert damit ein tieferes Eindringen in die heutzutage dominierende CAD/CAM Technik. Einmal aufgebaut, kann uns diese Technik auch bei weiteren interessanten Aufgabenstellungen unterstützen.

Die VDI-Joachim-Herz-Technikfonds unterstützen schon viele Jahre die technische Allgemeinbildung in unserem Land. Insbesondere Jugendliche in allgemeinbildenden Schulen stehen dabei im Fokus. Wir werden die finanzielle Förderung in unserem interessanten Projekt zur Vertiefung ingenieurtechnischer Prozesse und Aufgaben nutzen.


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Leiter DK0LG



Freitag, 6. Mai 2022

Europatag der Schulstationen - ein Comeback auf den Bändern

Der 5. Mai ist an unserer Schulstation traditionell eine feste Grösse. Schon zum 23. Mal findet der Europatag der Schulstationen statt.

Nach zwei Jahren, die von Einschränkungen durch die Corona Pandemie geprägt waren, wollten wir wieder aktiv am Schulstationscontest teilnehmen. Dieses Jahr sollte auch der Funkverkehr über QO100 mit in die Aktivität einbezogen werden. So stellten wir im Vorfeld zwei Teams zusammen, die in unterschiedlichen Räumen Funkbetrieb auf unterschiedlichen Bändern machen sollten. Damit wir pünktlich um 14 Uhr den Betrieb aufnehmen konnten, wurde die Station bereits in der 7. Stunde aufgebaut.

Die erste Gruppe, insbesondere mit Newcomern besetzt, aktivierte auf 2m und 70cm unser Ausbildungsrufzeichen DN4JH. Mit vielen Kontakten über die Repeater DB0WUR (Wurmberg) und DB0HSB (Brocken) gelangen Funkverbindungen sogar bis zur Schulstation DK0BSN nach Nürnberg. Die Kontakte waren sehr ausführlich, nach Austausch von Rapport und Locator entwickelten sich interessante Gespräche. Viele Funkpartner zeigten sich erfreut über die Aktivität unserer Station.

Das Team DN4JH im QSO über DB0WUR

Die zweite Gruppe aktivierte über QO100 unser Schulstationsrufzeichen DK0LG. Zunächst dominierten die deutschen Stationen, darunter viele Schulstationen, auf dem geostationären Satellit. Mit der Zeit tauchten immer mehr europäische Länder im Log unserer Station auf. Höhepunkt war der völlig unerwartete Anruf von Karsten, DP0GVN, auf der Neumayer III Station in der Antarktis. Jannis (D09JJ) und Diego meisterten die vielen QSO mit Bravour. Diego konnte sogar spanische Stationen in ihrer Landessprache bedienen. Bis 19.30 Uhr wurde europaweit Funkverkehr gemacht und unser Logbuch überschritt die Grenze von 1 Millionen Punkte.

DK0LG funkt über den Satelliten QO100

Der 23. Europatag war schon jetzt ein voller Erfolg für unsere Schulstation. Trotz langer Pause, haben sich alle schnell an die aufregende Situation eines Funkwettbewerbes gewöhnt. Vielen Dank für die schönen Kontakte. Der Tag hat für uns auch immer eine völkerverbindende Komponente, so blicken wir auf Funkverbindungen mit intensiven Gesprächen in folgende Länder zurück:

QSO Übersicht QO100 (erstellt mit PhPQW Tool Log Analyses)

Deutschland, Italien, Frankreich, England, Polen, Finnland, Niederlande, Russland, Schweiz, Spanien,Griechenland, Dänemark und Slowenien.

QSO Übersicht DN4JH (erstellt mit PhPQW Tool Log Analyses)

Bis zum nächsten Jahr

73 und awdh von DK0LG

 

Sonntag, 13. Februar 2022

Erfolgreicher Antarktiskontakt mit DP0GVN

 
Vier der insgesamt zehn Überwinterer bescherten uns eine spannende Unterrichtsstunde

Am 08.02.2022 pünktlich um 9 Uhr UTC (10 Uhr MEZ) kam mit der erlösenden Antwort:"Hier ist DP0GVN" von Theresa auf den Anruf der Schulstation DK0LG frenetischer Beifall auf. Die mehr als einjährige Arbeit unserer Physikkurse und der Schulstation erfuhr in der erfolgreichen Kontaktaufnahme mit der Neumayer-Station III in der Antarktis ein krönendes Ende.

Gute Organisation und Planung
Aufbau und Vorbereitungen

Schon einen Tag vorher begannen die Schülerinnen und Schüler der Physikkurse der Jahrgangsstufe 12 und die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Amateurfunk und Elektronik mit dem Aufbau und der Einrichtung der großen Aula der Schule. Unter Beachtung der hygienischen Anforderungen wurden Stühle gestellt und Technik für die Vorträge aufgebaut. Rund um den über die AMSAT-DL geplanten Schulkontakt war auch ein kleines Rahmenprogramm vorgesehen. Die ersten Proben verliefen vielversprechend. Aus unseren Erfahrungen vom ISS Kontakt
2018 wussten wir jedoch, dass Generalproben von einer Vielzahl unerwarteter Ereignisse wie Friseurbesuche und andere Nachmittagstermine der Schülerinnen und Schüler beeinflusst werden.

So hatten alle am Dienstagmorgen schon ein aufgeregtes kribbelndes Gefühl in der Magengegend. "Wird der Vortrag laufen?", "Funktionieren alle Experimente?" und natürlich die wichtigste Frage: "Klappt der Kontakt zu DP0GVN störungsfrei?" Die Aula war entsprechend der Möglichkeiten durch die coronabedingten Einschränkungen gut gefüllt. Neben den Schülerinnen und Schülern der 10. Klassen, unserer Schulleitung und einigen Gästen, waren eine ganze Reihe Vertreter der Presse- und Medienlandschaft anwesend, wie z.B. das MDR-Fernsehen, MDR-Radio Sachsen-Anhalt, Radio SAW, Radio Corax, die Mitteldeutsche Zeitung, die Bildzeitung, um nur einige zu nennen.

Die Veranstaltung war gut geplant
 
Unsere Moderatoren eröffnen das Programm

Pünktlich um 9.30 Uhr eröffneten Annika und Lukas vom Grundkurs Physik 12 die Veranstaltung mit einem originellen Einstieg "Hallo! Haaalloooo!“ (Lukas) "Was ist denn los? (Annika)" tönt es durch knarrende PMR-Funkgeräte in die Aula. Auf die erstaunte Erkenntnis, dass man sich ja völlig drahtlos mit diesen Geräten hören und unterhalten kann, kam die erwartungsvolle Nachfrage, ob das wohl auch aus dem Urlaub vom Strand in Spanien klappen könnte. Mit der Erkenntnis, dass da viele Fragen zu beantworten sind, leiteten beide Moderatoren die Veranstaltung auf unterhaltsame Weise ein! Insbesondere eine lange Begrüßungs- und Dankesliste musste abgearbeitet werden. Hier möchten wir noch einmal die AMSAT-DL, den Deutschen Amateurradio Club (DARC) und den AATiS e.V. erwähnen, ohne deren Arbeit und Materialspenden dieser Kontakt nicht möglich gewesen wäre.
Forschung auf der Neumayer III


Größenvergleich Neumayer III vs Bitterfelder Bogen
Theresa Thoma - eine interessante Persönlichkeit

Im nun folgenden unterhaltsamen Programm erzählten Willi und Paula zunächst interessante und wissenswerte Fakten über den Aufbau und die Geschichte der Neumayer-Station III. Dabei kam die Anschauung nicht zu kurz. So wurde den Zuschauerinnen und Zuschauern die Größenverhältnisse der Station am bekannten "Bitterfelder Bogen" deutlich gemacht. Anna erzählte dann etwas über unsere Funkpartnerin Theresa Thoma am anderen Ende der Welt. Allein auf sich gestellt, ihre MitstreiterInnen fielen coronabedingt aus, stellte Anna die vielen interessanten Details aus dem Leben Theresas dar. Eine Frau mit Abschlüssen in Elektrotechnik und Informatik, mit Hobbys wie Amateurfunk, Reiten, Häkeln und Elektronik, ist sicher ein Vorbild für viele anwesende Schülerinnen in der Aula.

Lea, Johanna und Jakob gaben einen Überblick über die Forschungsgebiete der Station. Interessant gestalteten Sadie und Finn das Thema: "Physikalische Besonderheiten im antarktischen Polargebiet". So sahen die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht nur wunderschöne Polarlichtbilder, sondern erfuhren auch etwas über die physikalische Entstehungsursache dieses Naturphänomens.
Sadie und Finn erklären das Zustandekommen von Polarlichtern


Im letzten Thema des ersten Teils der Veranstaltung vor dem Kontakt wurde noch die spannende Frage geklärt, wie man mit sich geradlinig ausbreitenden Funkwellen die gekrümmte Strecke zu Antarktis überwinden kann. Friederike, Mira und Rhea zauberten am romantisch beleuchteten Erdglobus mit Hilfe eines kleinen Modellsatelliten und etwas Bindfaden die unsichtbaren Wellen in die Aula unserer Schule. "Klar, ohne unseren Satelliten würden die Wellen irgendwo im Nirgendwo verschwinden!", so die unterhaltsame Erklärung unserer drei Amateurfunk-AG-Mitgliederinnen. Ohne komplizierte Mathematik war jedem anwesenden Zuschauer/Zuschauerin im Publikum sofort klar, wie es funktioniert. Die Mathematik zu dieser Problematik lieferten dann Greta und Jonathan aus dem Physik Leistungskurs nach. In einem unterhaltsamen Gleichungsmarathon gelang es den beiden nahezu spielerisch, die komplizierte Herleitung des geostationären Orbits an die Leinwand zu zaubern. Für Sprachlosigkeit sorgte Gretas Einsetzung der speziellen Werte wie Gravitationskonstante, Erdmasse, Umlaufdauer (in Sekunden!) und Erdradius bis auf sechs Stellen nach dem Komma mit korrekten Einheiten, ohne ein Hilfsmittel wie Zettel oder Tafelwerk. 
Anschaulich wird der Ausbreitungsweg der Wellen erklärt

Auch die Mathematik der Himmelsmechanik kam nicht zu kurz

Greta und Jonathan mit einer Physikstunde der besonderen Art
Anruf der Antarktisstation DP0GVN

DO8ECC ruft DP0GVN
Pünktlich 10 Uhr eröffnete dann Kathrin (DO8ECC) den Kontakt mit dem Anruf: "DK0LG ruft DP0GVN". In der Aula stieg zu diesem Zeitpunkt die Spannung ins Unermessliche. Zunächst war nur das gleichmäßige Transponderrauschen des Satelliten zu hören. Nach dem zweiten Anruf von Kathrin dann die große Erleichterung: "DK0LG hier ist DP0GVN" war die glockenklare Antwort Theresas aus dem Funkraum der Neumayer-Station III. Nach der gegenseitigen Begrüßung mit extra Beifall aus unserer Aula (die LEILA ( Leistungs-Limit-Anzeige) möge uns verzeihen) gab uns Theresa zunächst einen kurzen Wetterbericht:" Hochsommer, -4,6 °C und 10 Knoten Wind". Besonders gefreut haben wir uns, dass drei weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Linda (Luftchemikerin), Paul (Meteorologe) und Timo (Geophysiker) des Überwinterungsteams der Station, für unsere Fragen in der nächsten Stunde zur Verfügung standen. 

Alle Aktiven, ja sogar unser Schulleiter Herr Kraft, nutzten die folgenden 58 Minuten, um interessante Fragen aus den Gebieten "Leben auf der Station", "Forschung und Technik" sowie "Persönliches" zu stellen, die unsere vier Überwinterer auf unterhaltsame und anschauliche Art und Weise beantworteten. So erfuhren wir, dass Paul sein Interesse für Meteorologie und Physik in einer schulischen Arbeitsgemeinschaft bei interessanten Stratosphären - Ballonprojekten gefunden hat. Linda fachsimpelte mit unseren Chemikerinnen über MAK- Werte und Reinraumbedingungen. Timo erklärte anschaulich, was passiert, wenn in der Station einmal der Strom ausfällt und Theresa beantwortete interessante Fragen zur Wellenausbreitung, Antennen- und Kommunikationstechnik. 

DK0LG im QSO mit DP0GVN

Anschaulich am Oszilloskop demonstriert
Schwingungen und Wellen . . .
Keine Minute unserer Fragestunde war langweilig, sodass die Verabschiedung gegen 11 Uhr noch einmal sehr "beifallsbetont" und lautstark war. Doch damit war die Veranstaltung keinesfalls zu Ende. Eduard und Konrad erklärten und demonstrierten dem Publikum die Auswirkungen der Parameter Frequenz und Amplitude einer elektromagnetischen Schwingung. Dabei erweiterten sie das Frequenzspektrum der Zuhörer vom Hörbereich (240 Hz) bis Mikrowellenbereich (2,4GHz). Nils und Nazahr zeigten dann mit Hilfe eines einfachen Hohlspiegels und einer Glühlampe, wie man aus 6W des Sendesignals ein 6kW Signal in Richtung QO100 erzeugen kann. Um jedoch zu verstehen, warum die niederfrequenten Schwingungen unserer Sprache auch wirklich in Richtung DP0GVN gelangen können, zeigte Fiona (DO6FJ) mit Hilfe eines Abgleichsenders und eines Oszilloskops die komplizierte Thematik der Erzeugung eines Einseitenbandsignals mit unterdrücktem Träger (SSB). Die nachfolgende Demonstration der Demodulation am Funkgerät mit abwechselnder "Mickey-Maus" und "Darth Vader" Stimme sorgte im Publikum für ausreichende Heiterkeit. 


 

 

Mit der Leistung einer Glühlampe zum Satelliten

Hier helfen die Gesetze der Strahlenoptik

Einseitenbandmodulation (SSB) einfach erklärt

UP-Converter vs SDR, Jannis und Diego im Element

Die Demonstration in der Aula ist das eine, die technische Umsetzung das andere. So konnten Diego und Jannis (DO9JJ) am Ende brilliant ihre Erfahrungen auf dem Gebiet der UP-Converter und SDR-Technik übermitteln. Man merkte den beiden Schülern ihren Stolz auf die Eigenbaulösungen an. Damit endete dann auch diese äußerst lehrreiche Veranstaltung. Was bleibt am Ende von diesem Ereignis? Eine großartige Erinnerung an eine vielfältige Veranstaltung, in der die Zuschauerinnen und Zuschauer erleben konnten, wie sicher unsere Schülerinnen und Schüler mit technischen und naturwissenschaftlichen Themen umgehen können! Die Veranstaltung war auch ein eindrucksvolles Beispiel für die beeindruckende Leistung von Frauen und Mädchen in naturwissenschaftlich technischen Aufgabenfeldern. 

Am Ende der Veranstaltung gab es noch eine große Überraschung. Unsere ehemalige Sekretärin Frau Schicht übergab mit ihrem Mann eine selbstgebackene "Neumayer-Station III", die bis in kleinste Details essbar war. Auch Greta bewies ihre Kreativität beim Backen und übergab eine liebevoll gestaltete Torte. So konnte DK0LG diese Mission sogar mit zwei Kuchenüberraschungen feiern.

Nicht zuletzt bleibt noch eine letzte wichtige Botschaft unserer Veranstaltung, die große Community der Funkamateure (Hams), die sicher gern eine QSL von Theresa und DP0GVN erhalten hätte. Die YLs und OMs haben fair zugehört und uns damit auch dieses einmalige Erlebnis geschenkt. Vielen Dank für den Ham Spirit, der uns immer wieder stolz auf uns Funkamateure und unser tolles Hobby macht.

Unsere Herausforderung im Kuchen nachgebildet
Kathrin (DO8ECC) und Jens(DM4JH) 

DK0LG 

Neumayer III in 3D - alles essbar!

Allen Aktiven ein großes Dankeschön für diese hervorragende Leistung

 
MDR - Fernsehen Sachsen-Anhalt heute vom 8.2.2022





Hier der komplette Funkkontakt zum Nachhören:

Mittwoch, 2. Februar 2022

Aufbau und Test der Satellitenanlage


 Der Satellit QO100 steht in etwa 30 Grad Höhe über dem Horizont und 26  Grad östlich. Durch die besondere Südlage unseres Neubaus ergibt sich damit ein Problem für die Position unserer Satellitenanlage. Die Längstrichtung der Aula stimmt ziemlich genau mit der Satellitenrichtung von QO100 überein, damit scheidet eine Anbringung der Anlage am Neubau in unmittelbarer Nähe der Aula leider aus.

Zunächst musste im Rahmen unserer AG-Stunde ein geeigneter Platz auf dem Schulhof gefunden werden. Das zweite Problem war die sichere Anbringung des Spiegels und die Verlegung der Kabel in die Aula. Schliesslich senden wir mit Antennengewinn gerechnet etwa 6 Kilowatt (6000 Watt!) Mikrowellenstrahlung zum 40 000 Kilometer entfernten Satellit.

Korrekte Position von QO100 und möglicher Empfang

 Alle Probleme konnten erfolgreich gemeistert werden. Ein Baugerüst sorgt für die provisorische Installation der Anlage. In Perspektive wird unsere AMSAT-Anlage permanent auf dem Dach unserer Schule installiert, damit rund um das Jahr ohne großen Aufwand Satellitenkontakte durchgeführt werden können.

Aufbau des mobilen Gerüsts

Anbringen des AMSAT-Spiegels

Fertige Position unserer Anlage

Blick auf LNB, Sendeantenne und UP-Converter

Ausrichtung der Antenne

 

J. Home

Leiter DK0LG

Sonntag, 23. Januar 2022

Antarktiskontakt am 8.02.2022 mit DP0GVN

Montage der Antenne, Quelle: AMSAT-DL

 Die durch den Sturm zerstörte Antenne für den geostationären Satelliten QO100 auf der Neumayer - Station III konnte erfreulicherweise im Januar neu errichtet werden. Dazu schickte die AMSAT DL einen neuen Spiegel mit dem Schiff "Polarstern" mit, das planmässig die neue Stationsbesatzung Ende 2021 in die Antarktis brachte.

Charly (DK3ZL), der Manager für Schulkontakte mit der Neumayer III, übermittelte uns die erfreuliche Nachricht und wir konnten einen Kontakttermin am 8.2.2022 um 10 Uhr MEZ vereinbaren. Jetzt beginnen die intensiven Vorbereitungen auf das kommende Ereignis. Die Funktechnik muss getestet und optimiert werden, ein kleines Rahmenprogramm wird durch den Grundkurs Physik 12 und die AG Amateurfunk und Elektronik vorbereitet. So findet neben dem interessanten Gespräch mit den Wissenschaftlerinnen ein unterhaltsames Programm rund um Themen des Kontakts in der Aula unserer Schule statt. 

Wir freuen uns ganz besonders auf das Gespräch mit Theresa Thoma (DC1TH), die sich noch einmal kurz vor ihrer Rückfahrt Mitte Februar Zeit für diesen Kontakt nimmt

Kathrin (DO8ECC) und Jens (DM4JH)

Erfolgreiche Installation des Radoms, Quelle: AMSAT-DL

Mittwoch, 8. Dezember 2021

Erfolgreicher Start von IKARUS LTS-02 - Landung (Wasserung) im Tagebau

 Am Samstag, den 4. Dezember 2021 um 10 Uhr, gelang nach fast zwei Jahren "Ballonabstinenz" der erfolgreiche Start unserer Folgenutzlast IKARUS vom Schulhof unserer Schule.

Keiner unserer bisherigen Ballonstarts war so ungewiss wie IKARUS. Die pandemische Lage in Dessau verschärft sich immer mehr, strenge Auflagen wie tägliche Test- und Maskenpflicht erschweren zunehmend die Durchführung außerunterrichtlicher Ereignisse. Trotz dieser Hürden trafen sich am Samstag die Mitglieder der Schulstation DK0LG zum lange vorbereiteten Start der Ballonnutzlast LTS-02.

DO9JJ - Mission Control
Um 9 Uhr wurde die Empfangsstation DK0LG an die Satellitenantennenanlage angeschlossen und die
Bewegung der Antennen getestet. Jannis  (DO9JJ) übernahm für den Start die wichtige Rolle der Flugleitung und "Mission control". Mit den neuen Mitgliedern der AG ging es dann zunächst in vertiefte Gespräche zum Ablauf des Starts. Wichtige Erfahrungen, wie die sichere Befüllung des Ballons, das Befestigen und Verpacken der Nutzlast und die rechtzeitige Inbetriebnahme vor dem Start wurden von den ballonerfahrenen "alten Hasen" an die "Neulinge" weitergegeben.   

Hans (DG1HVL) sagte uns seine Unterstützung bei der Ballonverfolgung und Bergung zu und erschien mit Verfolgerfahrzeug und umfangreicher Technikausrüstung pünktlich vor dem Start. Als Highlight stellte er uns einen seiner winzigen Fledermauspeilsender zur Verfügung, der eine Bergung auch bei Ausfall der GPS-Verbindung am Landeort ermöglichen soll. Die Vorhersage der Flugbahn kündigte einen langen Flug bis hinter die polnische Grenze an. Alle Anwesenden stellten sich nur eine Frage: "Ist eine Verfolgung und Bergung unter diesen widrigen Wetterbedingungen überhaupt möglich? 

Überraschung von DO1MKH
Auf dem Weg zum Startplatz überraschte uns Michael (DO1MKH) aus Dessau. Er überreichte der
Schulstation DK0LG ein Handfunkgerät mit Zubehör und wünschte uns viel Erfolg beim bevorstehenden Start.

20 Minuten vor dem Start wurde IKARUS eingeschaltet und sorgfältig in sein Styroporgehäuse verpackt, wenige Sekunden später decodierte die Empfangsstation erfolgreich die ersten Datenpakete. Unterdessen befüllten die AG-Mitglieder den roten 100g - Ballon und bereiteten das Nutzlastgespann aus Fallschirm und Gehäuse fachgerecht für die Integration vor. Die Flugprognosen verdüsterten sich immer mehr. Mittlerweile rückte der erwartete Landeort tiefer auf polnisches Territorium in die Nähe der Stadt Wroclaw vor. Um ein Überflug von Ländergrenzen zu vermeiden, musste der Ballon also mehr gefüllt werden. Etwa 0,43 m³ Helium versprachen einen zügigeren Aufstieg der 85g Nutzlast, begrenzten jedoch die Burst - Höhe auf unter 20 Kilometer.

Start der Ballonfüllung
IKARUS LTS-02


 


 

 

 

 

Ballon verschnüren
Anbringen des Peilsenders

 

Zum Startzeitpunkt (etwa 2 Minuten vor 10 Uhr) herrschte auf dem Sportfeld absolute Windstille. Es war kaum zu glauben, dass IKARUS eine so weite Strecke bis zur Landung zurücklegen sollte. Mit einem klassischen Countdown zählten alle Anwesenden die letzten Sekunden bis zur Freigabe des Ballons und umjubelten den erfolgreichen Start. Majestätisch erhob sich IKARUS LTS-02 in den bewölkten Dessauer Himmel. 

Vorbereitung zum Start

 

 

 

Start um 10.00 Uhr

 Die ersten zwei Höhenkilometer legte der Ballon kaum Strecke zurück, nördlich von Dessau machte unsere Nutzlast eine elegante Schleife und bewegte sich von da ab schnurgerade in östliche Richtung. Die Landeprognose lag weiterhin außerhalb von Deutschland, IKARUS zeigte leider auch nur eine konstante Steigrate von 3,5 bis 4 Meter pro Sekunde. Als Ursache wurde schnell das kostengünstige Ballongas (0,43 m³ mit 96% Heliumanteil) ausgemacht. Schweren Herzens entschieden wir uns gegen eine Verfolgung des Fluges. Wie sich später herausstellen sollte, war das die richtige Entscheidung.

Im warmen Stationsraum konnten dann alle AG-Mitglieder und Gäste den spannenden Verlauf des Fluges verfolgen. Genau um 11:32:10, also zirka 90 Minuten nach dem Start, platzte über Lichterfeld - Schacksdorf erwartungsgemäß bei 18885 Meter Gipfelhöhe die Hülle unseres Pilotballons. Damit stieg die Nutzlast immerhin 2 Kilometer höher als die berechnete Bursthöhe.

Die Isolierung unserer Box schien jedoch erhebliche Mängel aufzuweisen. Die Innentemperatur bis zum Zeitpunkt des Platzens betrug immerhin -21 °C. Erfreulicherweise korrigierte sich beim jetzt erfolgten nahezu Freiem Fall die Landeposition der Prediction wieder auf bundesdeutsches Territorium. Der Fallschirm setzte mit seiner Wirkung bei etwa 11 Kilometer Höhe ein und stellte die Sinkrate auf exakt 5 Meter pro Sekunde ein.

Flugbahn von Ikarus LTS-02

Je näher der Zeitpunkt der Landung kam, umso deutlicher zeichnete sich das Zielgebiet ab. IKARUS steuerte unaufhaltsam auf ein riesiges Militärgelände zu, dass auf der Karte als "Truppenübungsplatz Oberlausitz" gekennzeichnet war. Letzte Hoffnungen einer eventuellen Bergung verflogen in Windeseile. Etwa 3 Kilometer vor dem Touch down änderte LTS-02 seinen Kurs jedoch noch einmal deutlich in nördliche Richtung. Mit einem kurzen Überflug über das Restloch des Tagebaus Nochten landete IKARUS weich in den Wellen des seit 2019 gefluteten Gebietes des Hermannsdorfer Sees.

Die letzten Minuten von IKARUS
 

In der griechischen Mythologie hat der Sohn Ikarus aus Übermut seine Flügel in Sonnennähe geschmolzen und stürzte ins Meer. Sollte der Name uns die Wasserlandung im See eingebracht haben? Nun, die Sonne haben wir an diesem Tag leider nicht gesehen, fest steht jedoch, dass LTS-02 mit fast 19 Kilometer Gipfelhöhe der Sonne doch recht Nahe gekommen sein muss.

Die Schulstation möchte sich noch einmal für alle eingegangenen Empfangsberichte bedanken. Insbesondere geht ein großer Dank an Henryk (SP3MCY), der in der Nähe von Katowice Ikarus bis auf die letzten Meter vor dem Aufschlag verfolgen und mitschreiben konnte. So wissen wir heute die exakten Koordinaten der letzten Ruhestätte unseres Dessauer Ikarus.


Jens Home DK0LG/DM4JH

Statistik der Hörerberichte