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Mittwoch, 8. Dezember 2021

Erfolgreicher Start von IKARUS LTS-02 - Landung (Wasserung) im Tagebau

 Am Samstag, den 4. Dezember 2021 um 10 Uhr, gelang nach fast zwei Jahren "Ballonabstinenz" der erfolgreiche Start unserer Folgenutzlast IKARUS vom Schulhof unserer Schule.

Keiner unserer bisherigen Ballonstarts war so ungewiss wie IKARUS. Die pandemische Lage in Dessau verschärft sich immer mehr, strenge Auflagen wie tägliche Test- und Maskenpflicht erschweren zunehmend die Durchführung außerunterrichtlicher Ereignisse. Trotz dieser Hürden trafen sich am Samstag die Mitglieder der Schulstation DK0LG zum lange vorbereiteten Start der Ballonnutzlast LTS-02.

DO9JJ - Mission Control
Um 9 Uhr wurde die Empfangsstation DK0LG an die Satellitenantennenanlage angeschlossen und die
Bewegung der Antennen getestet. Jannis  (DO9JJ) übernahm für den Start die wichtige Rolle der Flugleitung und "Mission control". Mit den neuen Mitgliedern der AG ging es dann zunächst in vertiefte Gespräche zum Ablauf des Starts. Wichtige Erfahrungen, wie die sichere Befüllung des Ballons, das Befestigen und Verpacken der Nutzlast und die rechtzeitige Inbetriebnahme vor dem Start wurden von den ballonerfahrenen "alten Hasen" an die "Neulinge" weitergegeben.   

Hans (DG1HVL) sagte uns seine Unterstützung bei der Ballonverfolgung und Bergung zu und erschien mit Verfolgerfahrzeug und umfangreicher Technikausrüstung pünktlich vor dem Start. Als Highlight stellte er uns einen seiner winzigen Fledermauspeilsender zur Verfügung, der eine Bergung auch bei Ausfall der GPS-Verbindung am Landeort ermöglichen soll. Die Vorhersage der Flugbahn kündigte einen langen Flug bis hinter die polnische Grenze an. Alle Anwesenden stellten sich nur eine Frage: "Ist eine Verfolgung und Bergung unter diesen widrigen Wetterbedingungen überhaupt möglich? 

Überraschung von DO1MKH
Auf dem Weg zum Startplatz überraschte uns Michael (DO1MKH) aus Dessau. Er überreichte der
Schulstation DK0LG ein Handfunkgerät mit Zubehör und wünschte uns viel Erfolg beim bevorstehenden Start.

20 Minuten vor dem Start wurde IKARUS eingeschaltet und sorgfältig in sein Styroporgehäuse verpackt, wenige Sekunden später decodierte die Empfangsstation erfolgreich die ersten Datenpakete. Unterdessen befüllten die AG-Mitglieder den roten 100g - Ballon und bereiteten das Nutzlastgespann aus Fallschirm und Gehäuse fachgerecht für die Integration vor. Die Flugprognosen verdüsterten sich immer mehr. Mittlerweile rückte der erwartete Landeort tiefer auf polnisches Territorium in die Nähe der Stadt Wroclaw vor. Um ein Überflug von Ländergrenzen zu vermeiden, musste der Ballon also mehr gefüllt werden. Etwa 0,43 m³ Helium versprachen einen zügigeren Aufstieg der 85g Nutzlast, begrenzten jedoch die Burst - Höhe auf unter 20 Kilometer.

Start der Ballonfüllung
IKARUS LTS-02


 


 

 

 

 

Ballon verschnüren
Anbringen des Peilsenders

 

Zum Startzeitpunkt (etwa 2 Minuten vor 10 Uhr) herrschte auf dem Sportfeld absolute Windstille. Es war kaum zu glauben, dass IKARUS eine so weite Strecke bis zur Landung zurücklegen sollte. Mit einem klassischen Countdown zählten alle Anwesenden die letzten Sekunden bis zur Freigabe des Ballons und umjubelten den erfolgreichen Start. Majestätisch erhob sich IKARUS LTS-02 in den bewölkten Dessauer Himmel. 

Vorbereitung zum Start

 

 

 

Start um 10.00 Uhr

 Die ersten zwei Höhenkilometer legte der Ballon kaum Strecke zurück, nördlich von Dessau machte unsere Nutzlast eine elegante Schleife und bewegte sich von da ab schnurgerade in östliche Richtung. Die Landeprognose lag weiterhin außerhalb von Deutschland, IKARUS zeigte leider auch nur eine konstante Steigrate von 3,5 bis 4 Meter pro Sekunde. Als Ursache wurde schnell das kostengünstige Ballongas (0,43 m³ mit 96% Heliumanteil) ausgemacht. Schweren Herzens entschieden wir uns gegen eine Verfolgung des Fluges. Wie sich später herausstellen sollte, war das die richtige Entscheidung.

Im warmen Stationsraum konnten dann alle AG-Mitglieder und Gäste den spannenden Verlauf des Fluges verfolgen. Genau um 11:32:10, also zirka 90 Minuten nach dem Start, platzte über Lichterfeld - Schacksdorf erwartungsgemäß bei 18885 Meter Gipfelhöhe die Hülle unseres Pilotballons. Damit stieg die Nutzlast immerhin 2 Kilometer höher als die berechnete Bursthöhe.

Die Isolierung unserer Box schien jedoch erhebliche Mängel aufzuweisen. Die Innentemperatur bis zum Zeitpunkt des Platzens betrug immerhin -21 °C. Erfreulicherweise korrigierte sich beim jetzt erfolgten nahezu Freiem Fall die Landeposition der Prediction wieder auf bundesdeutsches Territorium. Der Fallschirm setzte mit seiner Wirkung bei etwa 11 Kilometer Höhe ein und stellte die Sinkrate auf exakt 5 Meter pro Sekunde ein.

Flugbahn von Ikarus LTS-02

Je näher der Zeitpunkt der Landung kam, umso deutlicher zeichnete sich das Zielgebiet ab. IKARUS steuerte unaufhaltsam auf ein riesiges Militärgelände zu, dass auf der Karte als "Truppenübungsplatz Oberlausitz" gekennzeichnet war. Letzte Hoffnungen einer eventuellen Bergung verflogen in Windeseile. Etwa 3 Kilometer vor dem Touch down änderte LTS-02 seinen Kurs jedoch noch einmal deutlich in nördliche Richtung. Mit einem kurzen Überflug über das Restloch des Tagebaus Nochten landete IKARUS weich in den Wellen des seit 2019 gefluteten Gebietes des Hermannsdorfer Sees.

Die letzten Minuten von IKARUS
 

In der griechischen Mythologie hat der Sohn Ikarus aus Übermut seine Flügel in Sonnennähe geschmolzen und stürzte ins Meer. Sollte der Name uns die Wasserlandung im See eingebracht haben? Nun, die Sonne haben wir an diesem Tag leider nicht gesehen, fest steht jedoch, dass LTS-02 mit fast 19 Kilometer Gipfelhöhe der Sonne doch recht Nahe gekommen sein muss.

Die Schulstation möchte sich noch einmal für alle eingegangenen Empfangsberichte bedanken. Insbesondere geht ein großer Dank an Henryk (SP3MCY), der in der Nähe von Katowice Ikarus bis auf die letzten Meter vor dem Aufschlag verfolgen und mitschreiben konnte. So wissen wir heute die exakten Koordinaten der letzten Ruhestätte unseres Dessauer Ikarus.


Jens Home DK0LG/DM4JH

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